Manuel Grassler

Die Rolle von Play in Veränderungsprozessen

Einblick: Lego Serious Play Workshop | Manuel Grassler - LEGO Serious Play Facilitator & Experte für Veränderungsprozesse

Anlässe für Unternehmen zu spielen gibt es viele: Play hilft uns unter anderem dabei Strategien und Visionen greifbar zu machen, komplexe Herausforderungen interaktiv zu lösen und Potenziale zu entdecken. Daneben sind es vor allem auch Veränderungsprozesse, bei denen Play seine volle Wirkung entfaltet.

 

Warum ist es für Unternehmen heutzutage so wichtig, flexibel auf Veränderungen zu reagieren?

Naja, fangen wir mal von vorne an. Ursprünglich verfolgten Organisationen immer das Ziel, bei Prozessen herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Sobald herausgefunden wurde, welche Vorgehensweise am besten klappt, wurde daraus ein Standard gemacht. Sprich: So lange man als Unternehmen genau dasselbe wieder und wieder machte, lief alles wie geplant. Bisher drehte sich also alles um das reine Managen eines Standards. Das funktioniert in der heutigen Zeit allerdings nicht mehr.

Wieso nicht?

Wir sind mittlerweile an einem Punkt in der Wissensgesellschaft angelangt, an dem wir permanent neuen Herausforderungen und Veränderungsprozessen ausgesetzt sind. KundInnen geben sich nicht mehr mit dem Status Quo zufrieden, sondern treten mit immer wieder neuen Bedürfnissen an Organisationen heran. Was heute noch aktuell ist, kann morgen schon längst uninteressant sein – alles befindet sich im ständigen Wandel. Es geht also nicht mehr darum, einen bestehenden, festgefahrenen Standard zu managen, sondern vielmehr darum, mit der Abweichung von diesem Standard umzugehen.

Um diese Flexibilität zu ermöglichen und Veränderungsprozesse anzustoßen, braucht es einen gewissen Handlungsspielraum und Raum für Kreativität. Genau an dieser Stelle setzt Play an.

Man sollte sich also von der Idee verabschieden, jedes Problem auf Basis desselben Handlungsspektrums zu lösen.

Genau, Unternehmen sollten sich gewappnet fühlen, sich auch dem Ungewöhnlichen und „ad hoc demands“ zu stellen. Dafür braucht es dann eben eine gewisse Anpassungs- und Veränderungsbereitschaft. In dem Buch „Primed to Perform“ von Neel Doshi und Lindsay McGregor wird auch von „adaptive performance“ gesprochen. Ausgangspunkt ist dabei die Unterscheidung zwischen zwei Handlungsarten: taktisches Handeln und adaptives Handeln. Taktisches Handeln beschreibt die Fähigkeit, einen vorgegebenen Plan geradlinig umzusetzen. Adaptives Handeln ist hingegen die Fähigkeit, von einem Plan abzuweichen, weil es die Situation so erfordert. Man könnte auch sagen: Das eine ist wie Malen nach Zahlen und das andere vergleichbar mit Gestalten auf weißem Papier. Unternehmen sind grundsätzlich sehr taktisch aufgebaut. Angesichts der Tatsache, dass sich die Anforderungen ständig ändern, brauchen wir jedoch mehr adaptiv performante Leute, die in jeder Situation neu entscheiden können, was die beste Lösung ist.

Arten der Leistung | Manuel Grassler - LEGO Serious Play Facilitator & Experte für Veränderungsprozesse

Und da kommt dann Play ins Spiel…

So ist es. Um diese Flexibilität zu ermöglichen und Veränderungsprozesse anzustoßen, braucht es einen gewissen Handlungsspielraum und Raum für Kreativität. Genau an dieser Stelle setzt Play an. Betrachten wir es doch mal von der anderen Seite: Je mehr Regeln uns auferlegt werden – egal, ob privat oder im Unternehmenskontext – desto kleiner wird das Spielfeld und damit auch unser persönlicher Handlungsspielraum. Das geht dann soweit, dass wir einfach nur mehr stur unsere To Dos abarbeiten, ohne dabei nach links und rechts zu schauen. Wir tun Dinge, weil sie uns auferlegt wurden, ohne dabei zu hinterfragen, warum wir sie tun und ob es nicht auch andere, bessere Möglichkeiten gäbe. Die Antwort auf die Frage „Warum?“ ist in solchen Fällen dann immer ein stupides: „Weil wir es immer so gemacht haben.” Die Folge: Stagnation. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir offen für Veränderung sein und unseren Handlungsspielraum wieder erweitern.

Es geht nicht darum, uns neue Skills anzueignen, sondern wieder zu entdecken, was wir bereits in uns haben

Wie gelingt diese Erweiterung des Handlungsspielraums genau?

Indem wir uns erlauben, wieder zu spielen. Das Lustige ist ja, dass wir dies nicht einmal lernen müssen. Es geht nicht darum, uns neue Skills anzueignen, sondern wieder zu entdecken, was wir bereits in uns haben. Wir haben leider verlernt, zu experimentieren, zu improvisieren und neue Dinge auszuprobieren – eben zu spielen. Dabei ist das Spielen ganz tief in uns verankert. Veränderungsbereitschaft schlummert also von Haus aus in uns, wir müssen sie nur wieder wachkitzeln.

Spielerischer Change | Manuel Grassler - LEGO Serious Play Facilitator & Experte für Veränderungsprozesse

Und das schaffst du im Rahmen deiner Workshops?

Korrekt. Die Veränderungsbereitschaft der TeilnehmerInnen steigert sich allein schon durch den motivierenden Aspekt des Workshopdesigns und dem dabei ermöglichten Austausch mit anderen. Zusätzlich entsteht auch eine gewisse Kohärenz bzw. soziale Bindung oder „relatedness“ zwischen den Beteiligten. Koppelt man Motivation und Kohärenz mit der Erlaubnis im Spiel frei experimentieren und selbst aktiv an Lösungen arbeiten zu können, erhöht sich die Veränderungsfreude quasi schon von alleine. Man muss sich nur trauen und es einmal ausprobieren – auch, wenn man sich zu Beginn vielleicht noch nicht vorstellen kann, wie einem Spielen denn jetzt genau bei der Arbeit hilft.

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